Unter deinen Flügeln - das Wieseder Altarbild

Unser Wieseder Altarbild ist etwas ganz besonderes. Viele kleine und große Hände haben die unzähligen Tontäfelchen geformt und verziert, die nun zu einem großen Ganzen zusammengefügt sind.

Es ist wie ein Sinnbild für uns als Gemeinde - wir viele - jeder von uns hat eine ganz eigene Geschichte und ein eigenes Gesicht - keiner von uns gleicht dem anderen, jeder ist unverwechselbar und einmalig und doch - gehören wir alle in einer Gemeinde zusammen.

Im 1. Buch Mose wird uns erzählt, daß Gott einen Tonklumpen in die Hand nahm und ihn mit der Wärme seiner Hände knetete bis er die Form hatte, die Gott uns Menschen zugedacht hatte.  Und dann blies er sie an, liebevoll und sanft und in diesem Moment erwachte die kleine Tongestalt zum Leben - wurde Mensch - Gottes geliebtes Ebenbild.

So wird Jesaja später sagen: Aber nun, Herr, du bist unser Vater. Wir sind Ton , du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.   

In den kleinen Tontäfelchen haben wir uns  selbst gleichsam in Gottes Haus gebracht und im Altarbild zu einer Gemeinschaft zusammenfügen lassen.

So wie jedes Tontäfelchen ganz es selber bleibtund doch ein Teil einer Gemeinschaft ist, so sind wir alle einmalig und doch vor Gott Menschen, die als seine Gemeinde zusammengehören.

Wenn auch nur ein Tontäfelchen fehlte - welche Lücke würde dann entstehen?  So lebt auch unsere Gemeinde von uns allen und kann keinen missen.

Auf unserem Altarbild sind alle Tontäfelchen um eine große Mitte angeordnet - das Kreuz. Es ist der freigelassene Raum - nicht gestaltet und ganz offen. Es ist da, und doch ist es unsichtbar - wir sehen es nur durch die Öffnung, die die Tontäfelchen freilassen. Es ist wie ein geöffnetes Fenster - man kann hindurchgreifen - doch greifen kann man das Kreuz nicht.

So wie diese Tontäfelchen, so haben auch wir Christen diese eine Mitte - das Kreuz. Es ist für uns nicht zu begreifen, daß Gott uns so liebt, daß er seinen Sohn für uns in den Tod gegeben hat, und darin - mitten in allem Dunkel - sein Lebenszeichen für alle Menschen aufgerichtet hat.

Wir können auf das Kreuz schauen - aber sehen und erkennen können wir es nur,  wenn wir uns gegenseitig erzählen und teilhaben lassen an unseren eigenen Erfahrungen von Gottes Liebe - gerade auch im Schwerem und im Dunkeln.

Wir können auf das Kreuz schauen - aber sehen und erkennen können wir es nur, wenn wir uns gegenseitig zuhören und gemeinsam hören auf Gottes Geschichte mit den Menschen, wie Sie uns die Bibel erzählt.

 

In alldem leuchtet es auf, darin wird es sichtbar - doch in seiner ganzen Fülle ist und bleibt es Gottes Geheimnis -  Unser Altarbild wird gleichsam von zwei Flügeln - rechts und links - beschirmt.

Wenn man die beiden Flügel genau betrachtet, dann entdeckt man, daß die Täfelchen in einem leichten einander zugeneigten Bogen angeordnet sind - wie Engelsflügel - kaum sichtbar  - nur zu ahnen und doch da.

Unter diesen Flügeln sind wir geborgen und beschützt. Unter diesen Flügeln haben wir ein Zuhause -  wir können immer neu Kraft tanken für unseren Alltag,  wir können unsere Sorgen unter diese Flügel legen und - wir dürfen um Flügel bitten, um Flügel, die uns über Hürden und Hindernisse tragen.

Der 91. Psalm sagt es und so: Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg,  mein Gott, auf den ich hoffe. Er wir dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild. Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf all deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Unser Altarbild wird uns begleiten, wenn wir Gottesdienst feiern, Fröhliches und Trauriges in Gottes Hände legen. Wir können es immer neu betrachten, auf Entdeckungsreise gehen - denn da ist noch so viel an Schätzen, daß in seiner Fülle verborgen liegt. Es möge es uns trösten und Hoffnung geben, von Gottes Liebe erzählen und uns an die Gemeinschaft erinnern, die Gott uns schenkt.

Vergeßt nicht, sagt unser Altarbild ohne Worte, Ihr seid Gottes Gemeinde, ihr gehört zusammen und Gottes Liebe, die auch den Tod scheute, ist eure Mitte. Unter Gottes Flügeln seid ihr geborgen, um beflügelt in dieser Welt Gottes Liebe zu leben.

Karin Neese